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Sehnsucht nach Gründer-Eliten

VentureCapital Magazin „Start-up 2006“

Deutschland braucht bessere Bedingungen für Entrepreneurship Von Peter Záboji, INSEAD Entrepreneur-in-Residence

Wenn die künftige Bundesregierung bei der Sanierung des Landes schnelle Fortschritte machen will, sollte ein Punkt ganz oben auf der Agenda stehen: Deutschland muß ein Klima fördern und erzeugen, das junge Menschen dazu reizt und dabei unterstützt, Unternehmer zu werden. Unternehmensgründung muß wieder Spaß machen.

Unternehmerisches Denken fördern

Zur Erneuerung unseres Landes benötigen wir dringend Eliten. Aber wenn es uns nicht gelingt, ein gesellschaftliches und politisches Klima zu gestalten, in dem die Besten ihre Leistungen zur Verfügung stellen, wird daraus nichts. Dabei meine ich keinesfalls die „Machtelite“, sondern einzig und allein Leistungseliten. Bundespräsident Köhler unterstützt aktuell die bundesweite Aktion „Land der Ideen“. Doch wo sind die jungen mutigen Leute, die ihre Ideen – allen Widerständen zum Trotz – auch umsetzen? Ich gebe zu: Ich habe Sehnsucht nach Eliten, nach Gründer-Eliten. Leider werden die jungen Menschen in Deutschland kaum – und wenn, dann zu spät – mit dem Unternehmervirus infiziert. Das liegt vor allem daran, daß wirtschaftliches und unternehmerisches Denken in Schulen und Universitäten systematisch vernachlässigt wird. Wie wollen wir in Deutschland wieder mehr Unternehmer schaffen, wenn an den Hochschulen überwiegend Dinge gelehrt werden, die Schüler und Studenten nur auf das Angestelltenverhältnis vorbereiten? Warum lernen die jungen Leute nicht etwas mehr über Unternehmertum statt Beamtenrecht, mehr über Kundenwünsche statt über Fabrikation und mehr über Verantwortung statt über Versorgung? Dabei ist die Bereitschaft, das Risiko einer Unternehmensgründung einzugehen, im Alter zwischen 25 und 35 Jahren laut einer Studie am größten. Doch wer heute mit Mitte bis Ende 20 und unvorbereitet auf das Unternehmertum die Universität verläßt und dann auch noch zuerst Sicherheit in einem Angestelltenverhältnis sucht, für den schließt sich das Zeitfenster zum Unternehmertum sehr schnell.

Außeruniversitäre Unterstützung

Doch es gibt auch Anzeichen, die mich hoffen lassen, daß wir in Deutschland bald wieder eine große Zahl engagierter junger Menschen erleben, die sich für Entrepreneurship entscheiden. Erstens gibt es zum Beispiel außerhalb der Universitäten sehr konkrete Unterstützung. Im Sog der Aufbruchstimmung der New Economy sind in Deutschland in allen Regionen Business Angel-Organisationen entstanden, und fast überall werden schon Businessplan-Wettbewerbe durchgeführt. Hier wird dem unternehmerischen Nachwuchs, auch wenn er nicht in einer Unternehmerfamilie groß geworden ist, Motivation und Begeisterung für eine Firmengründung vermittelt. Zweitens gibt es schon eine, wenn auch zu kleine, junge Elite: Professor Axel Ockenfels von der Universität Köln hat schon vor einem Jahr 35 Macher unter 35 Jahren vorgestellt. Nicht jeder aus dieser Gilde führt ein eigenes Unternehmen. Viele arbeiten mit enorm hoher Verantwortung in unternehmerischen Einheiten großer Konzerne. Diese Vorbilder gehören indes zum Kern von Deutschlands junger Unternehmer-Elite. Ihre Lust auf Leistung entstammt dabei weniger kaltem Karrierekalkül. Mehr treibt sie der Spaß bei der Herausforderung, aus den eigenen Begabungen das Maximale herauszuholen. Ergebnis dieser Motivation sind in der Regel außergewöhnliche Leistungen und Ideen. Mit Zielstrebigkeit wie Veränderungswillen erzielen sie auch auf internationalem Parkett Erfolge. Denn sie beherrschen in der Regel mindestens zwei Fremdsprachen.

Lust auf Leistung schon im Kindergarten

Bei diesen Unternehmensgründern und jungen High Potentials, so das Ergebnis der Kölner Untersuchung, zeichnet sich die Lust auf Leistung schon im Kindergarten und in der Schule ab. Sie sind ihren Altersgenossen stets mindestens einen Schritt voraus. Sie basteln, erfinden, entwickeln und bilden sich weiter. Später studieren sie – häufig in Rekordzeit – an einer oder mehreren erstklassigen Hochschulen im Inland wie im Ausland. Und es verwundert nicht, daß die meisten folgerichtig zu den besten Absolventen ihres Jahrgangs gehören. Und sie engagieren sich vielseitig. Manche gründen bereits während des Studiums ihr erstes Unternehmen. Andere machen Musik oder betreiben Leistungssport. Aber das reicht ihnen nicht. Die Mehrheit engagiert sich auch über den Beruf hinaus: Axel Schmiegelow, Gründer der Unternehmensgruppe Denkwerk zum Beispiel, ist nebenbei Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Die Unternehmerin Susanne Birkenstock hält Vorträge über Marketing und Controlling oder gibt Vorlesungen an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar.

Potential in Europa vorhanden

Drittens hat Europa noch immer ein gewaltiges Potential, das wir für einen geistig moralischen Neubeginn nutzen könnten. Im rohstoffarmen Europa ist die einzige originäre Reichtums- und Machtquelle letztlich die Qualität der Menschen. So gesehen ist die Frage der Bildung von Eliten nach den Worten des Europäers Otto von Habsburg ein Lebensproblem des Kontinents: „Für Europa ist das Nachwachsen und die Entfaltung seiner Eliten von entscheidender Bedeutung. Die Zukunft gehört dem Geist.“ Er hat Recht. Doch was qualifiziert heute die heranwachsende Elite? Sicherlich sind der Mut zum ersten Schritt in die Selbständigkeit sowie die nötige fachliche Kompetenz eine Grundvoraussetzung. Aber nach meiner Erfahrung bringen diese jungen Unternehmertypen vor allem einige herausragende Persönlichkeitsmerkmale mit. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, andere Menschen mit ihrer Begeisterung für die Unternehmensidee zu überzeugen und zu motivieren. Und nicht zuletzt die Bereitschaft, auch mal einen unternehmerischen Fehltritt zu tun.

Elitenschmiede INSEAD

Viertens: Mitten in Europa gibt es Elitenbildung, Kristallisationspunkte wie Cambridge oder Fontainebleau, an denen sich die Elite einfindet. INSEAD, die weltweit führende Business School europäischen Ursprungs, sieht ihre Aufgabe seit einigen Jahren weniger darin, Technokraten für Großkonzerne und Großbanken zu züchten. Vielmehr wird den Eliteschülern massiver Zugang (20 verschiedene Vorlesungen und Praktika) zum Unternehmertum vermittelt. Erfreulicherweise steigt zunehmend die Zahl der MBA-Absolventen, die den spannenden und dornenreichen Weg in die Unabhängigkeit wählen. Ein Investment, das sich auszahlt. Das amerikanische Magazin Forbes veröffentlichte in seiner Septemberausgabe ein Ranking, das den Return on Invest in den vergangenen fünf Jahren für die Absolventen der weltweit führenden Business Schools beschreibt. Darin nimmt INSEAD den ersten Platz vor der London Business School ein. Die Harvard Business School fiel aus den Top Ten. Ein Indiz dafür, daß sich junge Eliten wieder zunehmend in Europa bilden.

Fazit:

Leistungseliten gab es, gibt es und wird es immer geben, auch wenn wir nichts tun! Wer allerdings Spitzenleistung in Deutschland heimischer machen möchte, muß in viel stärkerem Maße Auswahl und Auslese unter den Studierenden zulassen, so wie gute Venture Capital-Firmen heutzutage konsequenter selektieren. Es werden nicht mehr ausschließlich blendende Ideen prämiert. Das Kapital setzt auf Jockeys, nicht auf Pferde.

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Die polygamen Unternehmer

VentureCapital Magazin „Start-up 2008“

Serial Entrepreneurs verhelfen der Gründerszene zu neuem Glanz Von Peter B. Záboji, Gründer und Präsident der European Entrepreneurship Foundation und INSEAD Entrepreneur in Residence

Sie gründen häufiger Unternehmen, als andere Menschen Autos kaufen: die Serien-Gründer, im angelsächsischen Sprachraum respektvoll wie elitär klingend Serial Entrepreneure genannt. Ein Entrepreneur, das ist jemand, der eine Marktchance erkennt und daraus ein Geschäft entwickelt. Die Spezies des Serial Entrepreneurs war in unseren Breitengraden lange eine Seltenheit. Doch inzwischen mangelt es auch in der „Alten Welt“ nicht mehr an mutigen und überzeugenden Unternehmerpersönlichkeiten zur Förderung und Finanzierung junger Technologieunternehmen.

Neuer Machertyp

In den USA gab es schon in den 70er und 80er Jahren 10% Serials unter den Firmengründern. Sie waren es, die den Begriff Silicon Valley geprägt haben. Heute ist deren Anteil auf fast 25% gestiegen, schätzen Experten. Auch in Deutschland etabliert sich eine Elite von Serial Entrepreneurs, die schneller als bisher neue Firmen, innovative Technologien und sichere Arbeitsplätze schaffen. Da sind zum Beispiel die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, die Alando und Jamba groß machten und auch ihre Beteiligungen MyVideo und StudiVZ. Oder Daniel Wild, der zunächst getmobile auf die Schiene setzte und nun mit seiner Beteiligungsfirma Tiburon jungen Internet-Start-ups auf die Sprünge hilft. Und regelrechte Unternehmer-Haudegen wie Klaus Hommels, der mit seiner Unterstützung für Skype bewiesen hat, dass auch europäische Unternehmer in kurzer Zeit eine Milliardenfirma schaffen können. Die Unternehmen dieser Seriengründer haben vier herausragende Eigenschaften gemeinsam:

  • Erfolg durch Erfahrung
  • Erfolg durch Teams
  • Erfolg durch Investitionen und
  • Erfolg durch Ausbildung

Dieser vierfache Beschleuniger lässt ihre Unternehmen schneller wachsen, macht das eingesetzte Kapital früher rentabel und zieht gut ausgebildete Nachwuchsmanager und pfiffige Hochschulabsolventen geradezu magisch an.

Erfolg durch Erfahrung

Hier sei ein deftiger Vergleich gewagt. Mit Serial Entrepreneurs ist es eigentlich wie beim Sex: Nichts geht über die Erfahrung. Einer, der den chaotischen Schöpfungsakt mal mitgemacht hat, wie aus einer Vision ein Unternehmen entsteht, der ist geläutert. Er bleibt gelassen, wenn bei der nächsten Gründung der Himmel einzustürzen droht, und handelt! Wo andere mögliches Versagen wittern, erkennt er nur Potenziale. Dabei ist er in höchstem Maße polygam: Während andere es schätzen, jahrelang dieselbe Firma zu führen, drängt es ihn immer wieder zu neuen unternehmerischen Herausforderungen. Der Serial Entrepreneur ist effektiv, weil er sich in einer frühen Phase der Gründung ins Unternehmen einbringt. Er ist bereit, dafür immer wieder von vorne die harten und steinigen Pfade zu gehen, die der Aufbau eines Unternehmens nach der Gründungsphase mit sich bringt. Er steht auf, wo andere noch verschnaufen. Er hat kein Problem damit, gerade die schwierigsten Phasen im Evolutionsprozess einer Firma immer wieder zu durchleben und zu gestalten. Sein Antrieb ist die Skalierung – jener Prozess der unaufhaltsamen Steigerung von Umsatz, Mitarbeitern, Marktanteilen und Profit. Das ist für ihn ein ganz besonderer Honig.

Erfolg durch Teamarbeit

Ein besonderes Merkmal ist die Fähigkeit zur Teamarbeit. Der Serial Entrepreneur weiß: Je vielschichtiger der kollektive Erfahrungshorizont eines Führungsteams ist, umso größer ist dessen Leistungsfähigkeit. Allerdings geht ein Großteil der kreativen Energie häufig durch Reibung verloren. Doch diese Reibung verändert sich eher zur Vaseline, wenn es klappt, lauter Spitzenleute zur Zusammenarbeit zu bringen. Das gelingt den visionären Entrepreneur-Persönlichkeiten durch die Ausrichtung derbeteiligten Individuen auf eine gemeinsame Vision. Dabei ist gerade die Zusammenarbeit mit genialen Leuten eine Herausforderung. Denn es ist doch so: Den höchsten Grad an Innovation und Kreativität erreicht man durch eine Unternehmenskultur, in der sich Individuen mit herausragenden Fähigkeiten gegenseitig inspirieren und ergänzen. Den meisten klugen Köpfen ist gemeinsam, dass sie sich gerne mit Menschen umgeben, von denen sie möglichst viel lernen können. Dadurch entwickelt sich eine Eigendynamik, die ein schnelles Unternehmenswachstum ermöglicht, ohne dass dabei der Qualitätsanspruch an die neuen Mitarbeiter gesenkt werden muss.

Erfolg durch Investition

Die Ikone des Serial Entrepreneurs ist Steven Jobs. Nachdem ihn John Sculley, der Mann, den er selbst in die Firma geholt hatte, um aus Apple einen Konzern zu schmieden, vor die Tür gesetzt hatte, fing Jobs von vorne an. Er gründete die neue Firma Pixel, einen anderen Milliardenerfolg. Und Next, das dann von Apple gekauft wurde. So kehrte er am Ende zurück, um mit iPod und iPhone weitere Erfolgsgeschichten zu schreiben. Die New Economy hat in Deutschland viele Unternehmerpersönlichkeiten hervorgebracht, die Fortune hatten. Sie waren nach dem Verkauf ihres ersten Unternehmens reich – aber zu jung, um sich auf ihre Yacht oder Insel zurückzuziehen. Heute ziehen sie durchs Land um zu schauen, wo etwas Schlaues präsentiert wird. Das Einzigartige daran ist: Intelligente Gründer brauchen inzwischen kein Venture Capital und keine Business Angels mehr, die schlau – oder dumm – mitreden. Und das ist gut so. Denn Gründer hassen das.

Mehr als Kapital

Stattdessen finden sie den Mentor, der in einer völlig neuen Art und Weise investiert. Nicht mehr das Kapital steht im Vordergrund dieser Partnerschaften. Der Serial Entrepreneur bringt viel wertvollere Dinge ein: Erfahrung, Wissen, Engagement. Dazu kommen Netzwerke und Coaching-Know-how, um den Nachwuchs zu fordern und zu fördern. Und am Ende bringen sie auch andere Investoren mit. Wer ein- oder mehrmals erfolgreich investiert hat, dem vertrauen auch andere Gründerprofis. Sie helfen den Start-ups, über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden und schnell ihre Märkte zu erobern. Für mich ist das der Sieg des Individuums über Konzerne, Bürokratien und Institutionen. Das ist völlig neu für Europa. Denn das gab es vorher nicht.

Erfolg durch Ausbildung

Solches Unternehmertum wird an den herkömmlichen Universitäten und Hochschulen nicht gelehrt. Darum hat die internationale Business School INSEAD (Fontainebleau/ Singapur) gemeinsam mit der Business School IESE in Barcelona den European Entrepreneurship Accelerator ins Leben gerufen. Das ist ein anspruchsvoller Elitekurs, der MBAs erlaubt, Seite an Seite mit einem Serial Entrepreneur zu arbeiten – in Projekten wie der Erschließung weiterer Märkte, Geschäftsgestaltung oder der Vorbereitung des Exits. Der besondere Lerneffekt: Die Studenten bekommen einen realistischen Eindruck davon, was es heißt, eine Firma in Gang zu setzen. Sie können ihren Schatz an theoretischem Wissen direkt in den verrückten, leidenschaftlichen Akt der Gründung, der Entwicklung und Führung eines Unternehmens einbringen. Sie erfahren, was sonst noch alles für das erfolgreiche Wachstum wichtig ist: Teamgeist, Entscheidungsfreude und alles mit wenig Mitteln schnell zu erledigen! Übrigens: Noch vor zehn Jahren mussten die MBAs zum Unternehmertum bekehrt werden. Jetzt machen immer mehr Kandidaten ihr MBA mit dem Ziel, selbst Unternehmer zu werden. Daher startet im Dezember der dritte Kurs mit Serial Entrepreneurs!

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